… Sohlengeschwür (Pododermatitis ulcerosa)
Ballenentzündungen werden vor allem durch Fütterungs- und Haltungsfehler hervorgerufen.
Übergewicht, Mangel an hautversorgenden Vitaminen und Mineralien und unzureichende Reinigungsintervalle wirken sich ungünstig auf die Hautbeschaffenheit aus.
Permanent auf zu feuchter Einstreu gehalten wird die Haut an den Sohlen durch das Ammoniak dauerhaft gereizt.
Eine unbehandelte Blasenerkrankung oder Inkontinenz kann ebenfalls die Sohlen reizen weil die Tiere hier häufig und unkontrolliert Urin absetzen, sich dabei permanent selbst einurinieren oder in ihrem Urin sitzenbleiben.
Weiterhin können zu lange Krallen sich in die Sohlen bohren und ernsthafte Verletzungen hervorrufen. Zu lange Krallen können auch den Fuß in eine unnatürliche Haltung drehen und somit eine Fehlbelastung auslösen.
Meerschweinchen treten beim Laufen immer mit dem gesamten hinteren Fußballen auf. Von daher sollte der Untergrund des Geheges mit „fußfreundlichen“ Materialien eingestreut sein. Hierzu gehören Holzspäne, Stroh und Heu. Auch Torf (besonders geeignet), Rindenmulch, Sand, Wiese und Erde sind als natürliche Böden gut verträglich, auch die Haltung auf Tüchern oder Teppichen ist unkritisch.
Mit Vorsicht zu genießen sind Holzpellets und ähnlich harte kantige Einstreusorten. Bei ausschließlicher Haltung auf solchen Untergründen werden die Sohlen stark beansprucht und sie bedürfen besonders aufmerksamer Beobachtung.
Jedoch kann es auch ohne oben genannte Negativfaktoren mal zu irgendwelchen Verletzungen kommen, die eine solche Entzündung verursachen.
Erstes Anzeichen einer Entzündung ist eine gerötete, gereizte, rissige und pergamentartige Haut an den Sohlen. Die betroffenen Bereiche schwellen an und beginnen zu schmerzen. Die geschwächte Haut ist anfällig und es können leicht Keime eindringen.
Die Folge können Verkrustungen, nässende Ekzeme oder gar eiternde Abszesse sein. Die Tiere bewegen sich immer weniger und entlasten den kranken Fuß. Durch die Entlastung kann es dann auch zu einer Überlastung des anderen Fußes kommen, so dass schnell auch andere Füßchen gefährdet werden. Die Entzündungen können sich in den gesamten Fuß ausbreiten oder sogar den Knochen befallen.

(mit freundlicher Genehmigung von Sabrina Moser)
Behandlung:
Die Art der Behandlung hängt von der Schwere der Erkrankung ab.
Im Anfangsstadium entdeckt reicht es meist die Sohlen einige Tage
täglich mit Vaseline, Bepanthen oder Hametum einzucremen, um die Haut zu
beruhigen und die Regeneration zu unterstützen.
Weiterhin sollte das Tier auf möglichst weichen Untergründen gehalten werden.
Wenn sich Ekzeme, Krusten, Risse, Wunden oder gar eitrige Entzündungen gebildet haben, ist dringend der Gang zum Tierarzt erforderlich. Dann muss das Tier mit Antibiotika (lokal, ggf. auch oral) und Schmerzmitteln behandelt werden. Der Fuß muss täglich z.B. mit Kamille oder Rivanol gebadet, die Krusten müssen entfernt und der Fuß muss danach mit Heilsalben eingecremt werden. Druckentlastende Fußverbände können auch erforderlich sein. Hierbei ist zu empfehlen, dass die Verbände tagsüber auch mal entfernt werden, damit Luft und Licht an den Fuß kommen.
In schweren Fällen kann auch eine Abszessspaltung oder operative Entfernung von Geschwüren notwendig sein.
Wenn Entzündung oder Abszess bereits die Knochen erreicht haben, ist die Prognose sehr ungünstig. Meist ist keine Heilung mehr möglich. Wegen der schlechten Heilungschancen und der hohen Schmerzhaftigkeit kann man das Tier oft nur noch einschläfern. Je nach allgemeinem Zustand des Tieres, wäre die Amputation noch eine mögliche Alternative. Allerdings müssen dann sämtliche Negativfaktoren (vor allem Übergewicht) vorher abgestellt sein, sonst würde die übermäßige Belastung des verbliebenen Fußes mit ziemlicher Sicherheit zu einer weiteren Entzündung führen.
Tipp:
In einigen Fällen hat sich die vorübergehende Haltung auf handelsüblichem Torf (Baumarkt) sehr positiv auf die Heilung ausgewirkt. Torf ist ein sehr weicher Untergrund. Er enthält Huminsäuren und hat einen niedrigen pH-Wert. Dies regt die Durchblutung an und macht die Haut weicher. Vermutlich wirkt sich dies positiv auf den Heilungsprozess aus.
Quellen:
Ewringmann, A. und B. Glöckner: Leitsymptome bei Meerschweinchen,
Chinchilla und Degu. Enke Verlag, Stuttgart, 2005. ISBN 3-8304-1055-7,
S. 198-199
Ilse Hamel: Das Meerschweinchen als Patient, 2. überarbeitete Auflage, Enke Verlag, Stuttgart, 2002. ISBN 3-8304-1002-6
Erfahrungen von Mitgliedern der DMSL