Bei Meerschweinchen kann es zu Störungen in der Funktionsweise der Schilddrüse kommen. Der folgende Artikel erklärt kurz die Bedeutung der Schilddrüse allgemein, zeigt dann die unterschiedlichen Störungsformen (Über- oder Unterfunktion) auf, beschreibt die Symptome und erläutert abschließend die ärztliche Diagnosemethode und die Behandlung. Da ich selbst keine Medizinerin bin, erhebt dieser Artikel keinesfalls Anspruch auf Vollständigkeit.
Funktionsweise der Schilddrüse
Der Sitz der Schilddrüse beim Meerschweinchen ist ebenso wie beim Menschen am Hals, links und rechts der Luftröhre.
Hormonstörungen können sich durch eine große Vielfalt ganz unterschiedlicher Beschwerden bemerkbar machen. Dazu können Probleme gehören, die dem Herz-Kreislaufsystem, der Lunge oder der Darmfunktion zugeschrieben werden wie z. B. Herzrasen, Luftnot oder Durchfall. Auch so unspezifische Beschwerden wie Haarausfall, allgemeine Schwäche, Müdigkeit und ungewollte Veränderungen des Gewichts können durch hormonelle Störungen hervorgerufen werden. Schließlich können Hormonstörungen auch verantwortlich sein für zunächst unbemerkte chronische Krankheiten wie Bluthochdruck und Diabetes.
Störungsformen
Es werden zwei unterschiedliche Störungsformen beschrieben, a) die Schilddrüsen-Unterfunktion und b) die Schilddrüsen-Überfunktion. Beide sind oft mit entsprechenden Gewebeveränderungen in der Schilddrüse verbunden (Gewebeneubildung Neoplasie/ Hyperplasie oder Gewebeabbau auch Hypoplasie).
Bei einer Schilddrüsen-Unterfunktion mangelt es dem Körper an den Schilddrüsenhormonen Triiodthyronin (T3) und/oder Tethraiodthyronin (T4 auch: Thyroxin). Daraus folgen für die allgemeine Gesundheit des Schweinchens diverse Beeinträchtigungen, weil die Schilddrüse sämtliche Stoffwechselvorgänge im Körper regelt (s.o.).
Symptome
Die einzelnen Symptome einer Schilddrüsen-Unterfunktion (also Hormonmangel) überschneiden sich unter Umständen mit denen einer Überfunktion, weswegen NIEMALS nur ein Symptom als Indikator ausschlaggebend sein kann. Häufige Symptome sind: Haarausfall am Unterbauch, massiv gesteigerter Appetit bei gleichzeitiger Gewichtszunahme, Gemütsschwankungen (Schweinchen reagiert im Rudel sehr leicht reizbar und aggressiv), Zyklusstörungen (Beeinträchtigung der Brünstigkeit bis hin zu einem permanenten Ausbleiben), schnelle Erschöpfung, erhöhte Cholesterinwerte und im weiteren Verlauf Arterienverkalkung, Herzbeschwerden (Verlangsamung des Herzrhythmus) sowie Verstopfung. Folgeschäden können Durchblutungsstörungen, Veränderungen von Herz und Lunge, Wasseransammlungen bzw. Ödeme um die Augen und Untergewicht sein.
Symptome einer Überfunktion (also Hormonüberproduktion) äußern sich vor allem durch sehr häufiges Trinken mit entsprechend oftmaligem Urinabsatz, hyperaktivem Verhalten, Fellverlust am Unterbauch (nicht zu verwechseln mit dem Fellverlust an den Flanken, die eher auf Zysten an den Eierstöcken hinweisen), papierartige, dünne Haut, Zyklusstörungen (Beeinträchtigung der Brünstigkeit bis hin zu einem permanenten Ausbleiben), vermehrtem Appetit bei gleichzeitigem Gewichtsverlust
Diagnose
Die Diagnose einer Funktionsstörung verläuft am genauesten über eine Blutuntersuchung. Dazu muss dem betroffenen Schweinchen eine Blutprobe aus der Oberschenkelvene entnommen werden. Im Labor wird dann der Wert der Hormone (T3- bzw. T4-Wert) im Blut bestimmt und eine entsprechende medikamentöse Behandlung, meist in Tablettenform, eingeleitet.
Behandlung
Eine Funktionsstörung muss unbedingt behandelt werden, da das Schweinchen sonst sterben kann. Vor allem bei Schweinchen mit Schilddrüsenüberfunktion steigt das Infektionsrisiko aufgrund des geschwächten Immunsystems. Insbesondere Rachenentzündungen und Blasenbeschwerden kommen häufig vor. Sollte ein Schweinchen also häufig Blasenprobleme haben, kann es sich auch lohnen, die Schilddrüsenwerte bestimmen zu lassen.
Die Behandlung erfolgt durch Medikamentengabe, in der Regel durch Tabletten. Unterschiedlichen Beobachtungen und Berichten zu folge kann nach einer gewissen Zeitspanne die Tablettengabe wieder eingestellt werden, da sich die Schilddrüse von selbst regeneriert hat. Jedoch sollte das nicht ohne ärztlichen Rat erfolgen. Nach Absetzen des Medikamentes sollte das Schweinchen genau beobachtet werden, um einen Rückfall auszuschließen.
Autor: Martina Waida